In dem Fach Sicherheit und Netze werden Schutzziele und Schutzmechanismen für die Kommunikation in Netzen behandelt. Im vierten Teil der Zusammenfassung wird erklärt, wie kryptographische Schlüssel verteilt werden und wozu man Public Key Infrastrukturen braucht.
Skript-Anfang
01EinfuehrungSicherheitUndNetze – Seite 1
Skript-Ende
15SicherheitTransportschicht – Seite 51
Verteilen kryptografischer Schlüssel
Ein Schlüsselaustauschprotokoll wird in der Kryptografie verwendet, um zwei oder mehreren Kommunikationspartnern einen gemeinsamen, geheimen Schlüssel zugänglich zu machen. Dies kann geschehen, indem jemand einen Schlüssel an alle beteiligten Partner überträgt oder indem während der Durchführung des Protokolls ein neuer Schlüssel erzeugt wird.
Anforderungen an Verteilkonzepte hängen vom Schlüsseltyp ab
Welche Ziele werden verfolgt?
Authentisierung und Schlüsselverteilung
Welche Schlüsseltypen gibt es?
Schlüsseltyp
Beschreibung
Schlüssel für Authentisierung und Signaturen
Verschlüsselten Datenstruktur (z.B. PKCS#12)
Öffentliche Schlüssel
Zentrale Registratur mit Fälschungschutz
Asymmetrische Sitzungsschlüssel
Verteilung über asymmetrische Verfahren (1:1)
Symmetrische Sitzungsschlüssel
Zentrale Verteilung, da es sonst \( \frac{n*(n-1)}{2}\) Schlüssel gibt
Verteilung durch ein Key Distribution Center (KDC)
Wie funktioniert ein KDC?
Vertrauenswürdiger Dritter wie die zentrale Autorität bei Signaturen
Der KDC authentisiert Teilnehmer und verteilt Sitzungsschlüssel
Jeder Teilnehmer vereinbart genau einen gemeinsamen symmetrischen Schlüssel mit dem KDC
Durch die geheimen Schlüssel authentisieren sich die Teilnehmer beim KDC
Wie ist der grundlegende Ablauf?
Alice schickt eine Anfrage zum KDC um den temporären Sitzungsschlüssel Alice-Bob zu bekommen
Das KDC informiert Bob über die Anfrage
Falls Bob zustimmt, wird der Session Key für beide erzeugt
Ein sicheres Protokoll wird benutzt, um Alice und Bob den Schlüssel vertraulich zu übersenden
Wie sind Hierarchien aus KDCs aufgebaut?
Lokale, nationale und internationale KDCs
Anfragen werden an die lokale KDC gestellt
Die KDCs „routen“ dann die Anfragen zum lokalen KDC des Empfängers weiter
Einfaches KDC-Protokoll
Welche Eigenschaften besitzt ein KDC-Protokoll?
Implizite Authentisierung durch Kenntnisse der geheimen Schlüssel
Anfällig für Replay-Angriffe, wenn keine Zeitstempel oder Nonces genutzt werden
Nachrichten werden bei abgelaufenem Gültigkeitszeitraum verworfen
Nonces werden zur temporären Identifizierung genutzt
Wie funktioniert ein einfaches KDC-Protokoll?
Alice wählt einen Sitzungsschlüssel für Bob, verschlüsselt die Nachricht und informiert das KDC
Der KDC entschlüsselt die Nachricht, entnimmt Bobs Identität und den Key KS
Der KDC schickt eine verschlüsselte Nachricht mit Alices Identität und dem Sitzungsschlüssel zu Bob
Wie greift man das einfache KDC-Protokoll an?
Angreifer speichert Nachricht 3 und wiederholt diese zu einem späteren Zeitpunkt
Angreifer muss dafür den Sitzungsschlüssel geknackt haben
Funktioniert nur wenn der Sitzungsschlüssel unbegrenzt gültig ist
Durch den Sitzungsschlüssel ist er automatisch authentisiert
Mehr unter Replay-Angriffe
Needham-Schroeder Protokoll
Wie funktioniert es?
Alice kontaktiert unverschlüsselt den KDC (Bob und die Nonce: RA)
KDC sendet das Ticket und die Daten verschlüsselt zurück zu Alice
Alice sendet das verschlüsselte Ticket und eine verschlüsselte zweite Nonce RA2 an Bob
Bob berechnet RA2-1 und verschlüsselt diesen mit dem Sitzungsschlüssel (Beweis des Besitzes von KS)
Alice beweist nun ihrerseits den Besitz von KS indem sie RB-1 verschlüsselt sendet
Wie greift man das Needham-Schroeder Protokoll an?
Replay-Angriffe werden durch Nonces und Challenge-Response-Verfahren abgewehrt
Wenn ein Angreifer den Sitzungsschlüssel knackt, kann er Nachricht 3 wiederholen und sich als Alice ausgeben
Mehr unter Replay-Angriffe
Kerberos
Wie ist Kerberos aufgebaut?
Kerberos verwendet eine Variante des Needham-Schroeder-Protokolls
Gewährt sicheren Zugriff auf Ressourcen im Netz
Gute Synchronisation der Uhren wird vorausgesetzt
Ticket-Granting-Server können Tickets füreinander ausstellen
Authentication Server (AS) – Verifiziert Benutzer beim Login (wie ein KDC)
Ticket-Granting Server (TGS) – Vergibt Identifikationstickets (User ist TGS authentisiert)
Dienstleister – Verrichtet die von Alice gewünschte Arbeit
Authentisierte Anwender fangen bei Schritt 3 wieder an
Gewährte Rechte werden von den Dienstleistern bestimmt
Wie funktioniert es?
Alice gibt ihren Namen im Klartext an einer öffentlichen Workstation ein
AS liefert Session Key und Ticket TGS, beides mit KA verschlüsselt
Alice fragt Ticket für Bob an (t verhindert Replay-Angriffe)
TGS liefert den Sitzungsschlüssel Alice-Bob für Beide
Alice sendet den KB()-Teil an Bob, um die Sitzung zu starten (t verhindert Replay-Angriffe)
Der Zeitstempel t+1 beweist, dass sie nun mit Bob redet
Verteilung ohne zentrale Instanz
Wie funktioniert es?
Austausch symmetrischer Schlüssel über asymmetrisches Verfahren
Verteilte Algorithmen wie Diffie-Hellman und SSL
Geheime Schlüssel vereinbaren nach Diffie-Hellman
Wie funktioniert Diffie-Hellman?
Wie greift man Diffie-Hellman an?
Schlüssel knacken, wenn zu kleine a und b gewählt werden
Man-in-the-middle, wenn die Nachrichten nicht signiert werden
Verteilung öffentlicher Schlüssel mittels Trusted Center
Was ist das Trusted Center?
Öffentliche Schlüssel brauchen vertrauenswürdige Quellen und sichere Zustellung
Das Trusted Center ist eine vertrauenswürdige öffentliche Stelle
Verteilt öffentliche Schlüssel und die Namen der Besitzer
Bei einer Registrierung wird Identität des Besitzers geprüft
Das Trusted Center funktioniert wie eine CA
Es ist ein single-point-of-failure und Flaschenhals
Certification authority (CA)
Was ist eine Zertifizierungsstelle?
CAs sind hierarchisch aufgebaut
Sie stellt Zertifikate aus
In einem Zertifikat stehen die Identität und der öffentliche Schlüssel
Das Zertifikat wird mit der Signatur der CA signiert
Mehr unter Public Key Infrastructure
Public-Key-Infrastruktur (PKI)
Mit Public-Key-Infrastruktur bezeichnet man in der Kryptologie ein System, das digitale Zertifikate ausstellen, verteilen und prüfen kann. Die innerhalb einer PKI ausgestellten Zertifikate werden zur Absicherung rechnergestützter Kommunikation verwendet.
Zertifikate
Was sind Zertifikate?
Werden nach Standard X.509 erzeugt
Die digitale Signatur wird aus dem Hash des Zertifikats erzeugt
Verbinden öffentlichen Schlüssel und die digitale Signatur
Enthalten nützliche Benutzerattribute
Enthalten Verweis auf eine Certificate Revocation List
Gespeichert in den Dateiformaten DER und PEM
Wofür braucht man Zertifikate?
Bereitstellung des öffentlichen Schlüssels
Altersnachweis des Besitzers
Einräumen von Rechten nach Authentisierung
Nachweis des privaten Schlüssels über Challenge-Response
Was sind Schlüsselspeicher?
Gemeinsame Ablage von Zertifikat und privatem Schlüssel
Werden mit eigenem Passwort geschützt
Ermöglicht den Transfer zu anderen Systemen
Werden im PKCS#12-Format gespeichert
Welche Formate für Zertifikate gibt es?
Distinguished Encoding Rules (DER) – Binäres Format für Zertifikate
Privacy Enhanced Mail (PEM ) – Base64 verschlüsseltes Format für Zertifikate
PKCS#7 – Basis für S/MIME zum Signieren und / oder Verschlüsseln von Nachrichten
PKCS#8 – Format für verschlüsselte oder unverschlüsselte private Schlüssel
PKCS#10 – Format der Nachrichten um die Zertifizierung eines Schlüsselpaares anzufordern (Certification Request Standard)
PKCS#12 – Dateiformat, um private Schlüssel mit dem zugehörigen Zertifikat passwortgeschützt zu speichern (Personal Information Exchange Syntax Standard)
Aufbau einer Public Key Infrastructure
Welche Aufgaben hat eine PKI?
Ausgabe, Erneuerung und Rückruf von Zertifikaten
Stamm- und Benutzerzertifikat erstellen
Schlüsselspeicherung und -aktualisierung
Bereitstellung von Diensten für Protokolle
Unterstützung von Zugangskontrollen
Komponenten organisieren
Standards für Dokumente und Protokolle definieren
Benutzerzertifikate installieren und Anwendungen konfigurieren
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